Der Weg zur Pfarrei St. Marien-Rußhütte

Rund 100 Jahre sind seit der Gründung des Ortes Rußhütte am 28.7.1771 durch August Guthmann, der hier mit Erlaubnis des Grafen Karl Ludwig von Nassau-Saarbrücken eine Glashütte errichtete und 8 Familien ansiedelte, vergangen, bis es endlich im August 1922 möglich war, hier eine eigene Pfarrei zu errichten. Es war ein langer und manchmal auch harter Weg. Bis zur Errichtung der Pfarrei St. Josef in Malstatt im Jahre 1887 wurde die Rußhütte wie die übrigen Teile der heutigen Groß-Stadt Saarbrücken von St. Johann aus seelsorglich betreut. Die Verbindung mit der Pfarrkirche St. Johann war bei der fast 3/4-stündigen Entfernung eine sehr lose. Es war schon ein Ereignis, wenn der Herr Dechant von St. Johann an Ostern nach Rußhütte zur Schulprüfung kam.

Im Jahre 1803 zahlte Rußhütte mit Malstatt zusammen 75 Haushaltungen mit 450 Einwohnern. In einer Übersicht über die Seelenzahl der Pfarrei Malstatt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts werden in Rußhütte aufgeführt: 43 Ehepaare, 7 Witwen, 75 Söhne und 63 Töchter, zusammen 231 Bewohner, von denen 143 katholisch und 88 lutherisch waren. Wie die Chronik berichtet, gingen zu dieser Zeit nur 2 Familien von hier regelmäßig sonntags nach St. Johann zum Gottesdienst. Sie wurden oft auf offener Straße angepöbelt, aus den Fenstern angespuckt und schlichen sich darum nicht selten durch den Wald. Bis zum Jahre 188o hatte sich die Einwohnerzahl der Rußhütte mehr als verdreifacht. Es standen 143 Häuser mit 166 Haushaltungen und 778 Einwohnern. Ein besseres Verhältnis der Rußhütter zur Kirche entstand, als im Jahre 1887 Malstatt mit Rußhütte von St. Johann abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Von jetzt ab wurden die Rußhütter regelmäßig seelsorglich betreut. Hier sind vor allem die Kapläne Müller und Kinzinger zu erwähnen, die beide mit großem Seelsorgseifer auf der Rußhütte gewirkt haben. Dem Pfarrer und späteren Dechant von St. Josef Metzdorf darf wohl das Hauptverdienst an der Gründung unserer Pfarrei zugeschrieben werden. Nach, dem er in 5-jähriger Arbeit den äußeren Aufbau seiner Pfarrei eingerichtet hatte, widmete er sich tatkräftig den Rußhüttern. Mit seinem Namen ist der Beginn des katholischen Vereinslebens auf der Rußhütte eng verbunden.

Am 5.3.1893 begründete er den katholischen Arbeiterverein, der eine große Bedeutung für das kirchliche Leben auf der Rußhütte bekommen sollte und im Jahre 1905 sogar 110 Mitglieder zählte. Nur wenige Monate später, am 13.8.1893 wurde in einer Versammlung in Rußhütte der Kirchbauverein gegründet, dessen Vorsitz Pfarrer Metzdorf selbst übernahm. Sein Ziel war es, möglichst schnell den Rußhüttern eine eigene Kirche zu beschaffen.

Pfarrer Metzdorf setzte sich selbst mit seiner ganzen Person dafür ein, wie sein warmherziger Aufruf von 1894 überdeutlich zeigt. Für die Frauen rief Pfarrer Metzdorf den Elisabethenverein ins Leben, der sich auch ganz in den Dienst des geplanten Kirchbaus stellte. Die Jugendlichen und jungen Männer sammelte Pfarrer Metzdorf im Jahre 19o6 gegründeten katholischen Jünglingsverein. Tatkräftig trieb der mittlerweile Dechant gewordene Pfarrer. Metzdorf die geplante Errichtung einer Kirche auf der Rußhütte voran. Er hatte schon mit der Forstverwaltung Verhandlungen geführt, als Bauplatz für die neue Kirche das Waldgelände gegenüber der Saarbrücker Brotfabrik zwischen Torhaus und Rußhütte zu erwerben. Der Boden war auf seine Baufähigkeit untersucht und im Jahre 1913 sollte der Neubau in die Wege geleitet werden. Der plötzliche Tod von Dechant Metzdorf, der im Jahre 1913 auf dem Bahnhof in Sulzbach einem Herzschlag erlag, zerstörte alle Hoffnungen auf den baldigen Bau des Rußhütter Kirche.

Bischof Felix Korum beauftragte den Nachfolger von Dechant Metzdorf, Pfarrer Theodor Acker, die Kirchbaufrage in Rußhütte zu lösen. Da nach Ansicht des Bischofs die armen Rußhütter hierzu nicht allein im Stande waren, sollte das Problem in Verbindung mit dem von den Josefsschwestern aus Trier zu errichtenden Kloster Rußhütte gelöst werden, wobei die Klosterkirche zugleich Pfarrkirche werden sollte. Mitten in diesen Verhandlungen brach der 1. Weltkrieg aus und machte allen Planen ein Ende.

Fleißig hatten die Rußhütter während des Krieges für den Neubau einer Kirche weitergesammelt und drängten nun nach dem Kriege mit aller Macht, die neue Kirche zu bauen. Kaplan Kinzinger, zu dieser Zeit schon Pfarrer in Rentrisch, riet seinem Nachfolger in St. Josef, Kaplan Hell, den Saal des Gastwirtes Georg Keller in der Fischbachstraße zur Einrichtung eines Filialgottesdienstes zu mieten. In einer stürmischen Versammlung brachte Pfarrer Acker gegen diesen Vorschlag seine Bedenken vor. Er glaubte, dass die Rußhütter zur Zeit nicht in der Lage seien, die Notkirche einzurichten, die Saalmiete zu bezahlen und erst recht nicht die laufenden Unkosten des Gottesdienstes zu finanzieren. Die anwesenden 42 Männer und Frauen ließen sich nicht bange machen und beschlossen, den Saal zu mieten. Um die zur Errichtung erforderlichen Mittel von 8.000 Mark aufzubringen, begann Kaplan Hell am darauffolgenden Montag einen Rundgang durch die Rußhütte und sammelte bis Donnerstag 7000 Mark und 3000 Mark waren ihm zugesagt. Am Sonntag, dem 17.3.1919, war es endlich soweit, daß Pfarrer Acker von St. Josef den ersten Gottesdienst in der Notkirche zu Rußhütte halten konnte. Von Sonntag zu Sonntag stieg die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher, wobei die vom 26.10. bis Allerheiligen 1919 von Franziskanern durchgeführte Volksmission auf der Rußhütte wesentlichen Anteil hatte. Anfang des Jahres 1920 beschloss die Stadtverwaltung Saarbrücken, das Gelände der Rußhütter Charlottenstiftung zu verkaufen. Kaplan Hell drängte den neuen Pfarrer von St. Josef, Pfarrer Bungarten, das Gelände zum Bau der neuen Rußhütter Kirche zu kaufen.

Nach vielen Widerständen gelang es schließlich der Kirchengemeinde St. Josef, das gesamte heutige Kirchen- und Pfarrhausgelände Zu erwerben, um es später der Tochtergemeinde St. Marien zum Geschenk zu machen. Ebenfalls in diesem Jahr 1920 bot sich die günstige Gelegenheit, das Anwesen der Familie Georg Keller, in dessen Saal die Notkirche untergebracht war, zu verkaufen. Nach anfänglichem Zögern wegen dieser zweiten großen finanziellen Belastung auf der Rußhütte stimmte schließlich der Kirchenvorstand von St. Josef nach mehrfacher Intervention durch Kaplan Hell dem Kauf des heutigen Kolpingshauses am 9.4.1920 zu. So war eine gute Grundlage zur Errichtung einer neuen Pfarrei auf der Rußhütte geschaffen. Auf Drängen der Rußhütter erfolgte schließlich die Errichtung der selbstständigen Pfarrei St. Marien in Rußhütte seitens der bischöflichen Behörde am 18.8.1922 und wurde am 14.11.1922 staatlicherseits anerkannt. daß am 28.1.1923 Kaplan Franz Hell als erster Pfarrer der neuen Pfarrei St. Marien unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde, war eigentlich selbstverständlich. War er doch als Kaplan von St. Josef seit 1914 als Seelsorger auf der Rußhütte tätig. Ohne seinen Einsatz wäre wahrscheinlich die Pfarrei St. Marien nicht so schnell errichtet worden.


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