Hier in loser Reihenfolge einige Zeitungsausschnitte, teils mit unbekannter Herkunft, teils mit unbekanntem Datum.

 

Zeitung unbekannt, 11. Mai 1954

Rußhütter Marienkirche in neuem Glanze

Die Pfarrgemeinde beging die Weihe eines kunstvollen Mosaikbildes

Im feierlichen Hochamt am Sonntag erhielt das neugeschaffene Mosaikgemälde in der Apsis des Chore der Marienkirche in Rußhütte seine kirchliche Weihe. Das Festamt zelebrierte Pfarrer Müller unter Assistenz von Pfarrer Schellenbach – Burbach und Gefängnisoberpfarrer Schlichter. Der Kirchenchor verschönerte die Feier, zu der die Gläubigen dichtgedrängt das Gotteshaus füllten, mit mehrstimmigen Gesängen zum Amt und sakramentalen Segen.

In einer Festpredigt, die dem Lob der Macht und hilfsbereiten Güte der Himmelskönigin, der Patronin von Pfarrei und Kirche gewidmet war, dankte Pfarrer Müller allen, die durch ihre Spenden die neue Zierde des Gotteshauses ermöglicht hatten. Er schrieb es dem Schutz der hohen Patronin zu, daß die ihr geweihte Rußhütter Pfarrkirche als erste der Großstadt aus ihren Trümmern wieder herrlich neu erstand.

Das Mosaikbild, das in harmonischen Proportionen, diskreten Farben und beherrschender Größe das Halbrund der Apsis hinter dem Hochaltar ausfüllt, ist das Werk eines Kölner Künstlers. Es stellt die Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit dar. Gott Vater und Sohn, aber denen der Heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebt, halten die Krone über dem Haupte der zu ihren Füllen knieenden Himmelskönigin. Ihre Gestalt, mit in Demut geneigtem Haupte, ist von edler jungfräulicher Schönheit. Ein weiter, blauer, mit stilisierten Lilien bestreuten Mantel umkleidet sie und wird von zwei Engelsgestalten leicht gerafft. Unter dieser Hauptgruppe verläuft ein Fries von neun überlebensgroßen Engelsgestalten zwischen denen in Goldschrift das Preislied der Himmelschöre ,,Sanctus, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth ...“ eingefügt ist.

Bild Mosaik (in Arbeit)

Das kunstvolle Bildwerk ist aus über 200 000 Mosaiksteinchen zusammengefügt und wurde in mehr als 200 000 Arbeitsstunden hergestellt. Zur Deckung des noch verbleibenden Restes der hohen Kosten des Kunstwerks bat der Festprediger die Gemeinde noch um weitere hochherzige Spenden.

Durch die kirchliche Weihe ist das herrliche Kunstwerk nunmehr seinem erhabenen Zweck, der Zierde des Gotteshauses zu dienen und in den Herzen der Gläubigen die Liebe und Verehrung zur Himmelskönigin zu mehren, übergeben worden. Neben dem kunstvollen Steinrelief über dem Hauptportal der Kirche, das Oberammergauer Bildschnitzer schufen, und in dem Maria als Patronin und Helferin in allen Erdnöten, besonders sinnvoll auch der Berg-, und Hüttenleute dargestellt ist, wurde nunmehr das Großmosaik der Krönung Mariens zur beherrschenden Zier des Gotteshauses St. Marien in Rußhütte. Kein Kirchenbesucher wird daran achtlos vorbeisehen können. Es it ein eindrucksvolles, bleibendes Ehrengeschenk der Pfarrgemeinde an Ihre erhabene Patronin, besonders sinnvoll ihr gewidmet in diesem Marianischen Jahr und dem ihrer besonderen Verehrung gewidmeten Maimonat.

 

© Paulinus, 1. Mai 1956

Ein kostbares Mosaikbild in der Marienkirche zu Saarbrücken-Rußhütte

Im vergangenen Jahr erhielt die Marienkirche zu Saarbrücken-Rußhütte durch ein Mosaikbild in der Apsis des Chores eine wertvolle Bereicherung.

Das Mosaikbild, das in harmonischen Proportionen, diskreten Farben und beherrschender Größe das Halbrund der Apsis hinter dem Hochaltar ausfüllt, ist das Werk eines Kölner Künstlers. Es stellt die Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit dar. Gott Vater und Sohn, über denen der Heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebt, halten die Krone über dem Haupte der zu ihren Füßen knienden Himmelskönigin. Ihre Gestalt, mit in Demut geneigtem Haupte, ist von edler jungfräulicher Schönheit. Ein weiter blauer, mitstilisierten Lilien bestreuter Mantel, umkleidet sie und wird von zwei Engelsgestalten leicht gerafft.

Bild Mosaik (in Arbeit)

Unter dieser Hauptgruppe verläuft ein Fries von neun überlebensgroßen Engelsgestalten, zwischen denen in Goldschrift das Preislied der Himmelschöre ,,Sanctus, Sanctus, Sanctus, Dominus Dens Sabaoth ...“ eingefügt ist.

Das kunstvolle Bildwerk ist aus über 200 000 Mosaiksteinchen zusammengefügt und wurde in mehr als 2000 Arbeitsstunden von der Firma Villeroy und Boch hergestellt und von der Firma Gebr. Deutsch (Saarbrücken) verlegt.

 

Zeitung unbekannt, 1. Juli 1959

St. Marien huldigte König Christus

Eine Saarbrücker Pfarrei setzte dem Gottessohn ein Denkmal

Christus, dem König, hat die Pfarrei St. Marien in Rußhütte ein Denkmal gesetzt, eine Statue In weißem Kunststein, geschaffen von dem Neunkirchener Bildhauer BogIer. Die Christusfigur steht im Vorgarten der Pfarrkirche, links vom Eingang, dessen rechte Seite schon eine von dem gleichen Künstler gestaltete Marienfigur schmückt. Am Montagabend, am Feste Peter und Paul, fand die feierliche Weihe der Christustatue nach einem levitierten Hochamt, gehalten von Pastor Peter Mohr (St. Jakob), assistiert von dem Gefängnispfarrer Philipp Schichter und dem Pfarrer von St. Michael Philipp Müller, der die Predigt hielt und später die Weihe vornahm.

Zahlreich hatte die Gemeinde am Opfer teilgenommen. Festlich war das Haus Gottes geschmückt, und der Kirchenchor vonSt. Marten begleitete dIe Handlung sehr eindrucksvoll mit der Mozart-Messe In C-Dur. Andächtig ließen sich die Gläubigen auch von den Gesängen „Tu es Petrus“ von Jaspers, dem „Tantum ergo“ von Pitoni und zum Schluß dem „Halleluja“ von Händel ergreifen. Dirigent Josef Rupp hatte so dem für die Gemeinde St. Marten bedeutungsvollen Weihefest zu ehrlicher Hochstimmung unter den Pfarrangehörigen wie auch unter den Gästen mit verholfen.

Bild Christusstatue (in Arbeit)

Pastor Müller fand klare Worte für diese Huldigung der Marien-Gemeinde an Christus, den König. Alles in dieser Kirche führe die Gläubigen zu Maria, der Himmelskönigin hin, aber nur, und der Pastor unterstrich dies kräftig, damit Maria die Gebete zum Sohn, Jesus Christus, dem König, hintrage, dem allein die Anbetung gebühre. Dieser König fordere den ganzen Menschen, nicht nur ein Teilgebiet seines Lebens. Seine Forderung sei nicht nach Menschenart, wie die der Mächtigen dieser Welt. Christus stelle sein Königtum mitten in die Freiheit der Menschen, die sich ihm als freie Persönlichkeiten freiwillig unterwerfen sollten. Von daher könne es keine Halbheiten, keinen Ausschluß von Verstand oder Gemüt, von Wissenschaft, Lebensweise, privatem oder öffentlichem Verhalten, von Geschäft oder Politik geben. Jedes Sonntagschristentum sei Verrat an Jesus Christus, dem König.

Brennende Fackeln begleiteten die Prozession, an deren Spitze Pastor Möller und die beiden anderen Pfarrherren das Gotteshaus umschritten, nachdem die ChrIstus-Satue vor demm Bahndamm seine Weihe erfahren hatte. Weißgekleidete Kommunionkinder trugen Blumen in den Händen, sangen gemeinsam mit Männern und Frauen der Pfarrei Lieder zum Lobe Gottes. Weit hinaus schallte aus den geöffneten Kirchentüren der Klang der Orgel. Über die Stadt war inzwischen die Nacht gekommen.

 

Zeitung unbekannt, 7. Februar 1956

Eine Gemeinde – nicht reich, aber opferfreudig

Eine neue Orgel in der katholischen Pfarrkirche „St. Marien“ in Rußhütte

Im Sprechzimmer des Pfarrhauses der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Rußhütte lenkt ein Bild die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich, ein Bild, das die Erinnerung an die Zerstörung im Jahre 1945 wach werden läßt. Die Pfarrkirche ist nur noch eine Ruine, die Decke ist eingestürzt, und Trümmer liegen weit zerstreut. Der Krieg hatte auch dieser Gemeinde das Gotteshaus geraubt. Von dieser Gemeinde aber sagt heute ihr Seelsorger: „Ichhabe zwar keine reiche Gemeinde, aber eine überaus opferfreudige.“

Und dieser Opferfreudigkei, diesem wirklichen Bekenntnis zum Opfer – sei es in klingender Münze oder in der Hände Arbeit – ist es auch zu verdanken, daß bereits 1949 das katholische Gotteshaus in Rußhütte schon wieder stand und seine Pforten für die Gläubigen geöffnet hielt. Bis zu 60 Gemeindeglieder fanden sich abends nach Feierabend an der Baustelle ein und legten selbst mit Hand an. Diese gleiche Opferfreudigkeit war es auch, die diesem Kirchenraum ein immer wieder bewundertes Altarbild nach dem Entwurf des Kölner Künstlers Hansen und in Mosaik gestaltet schenkte. Und wieder setzte sich die Freude amOpfer in dieser Kirchengemeinde am letzten Weihnachtsfest selbst ein Denkmal: eine neue Orgel fiel ein in den Lobgesang der Gemeinde. In greller Schlichtheit und in einer sauberen architektonischen Linie erhebt sich über der hinteren Mittelempore der Orgelprospekt. Der Zwischenraum zwischen zwei rechtwinkligen Blöcken, die von den Orgelpfeifen aus Zink und Zinn gebildet werden, gibt den Blick frei zu einem farbigen Glasfenster. das wiederum am Tage den Prospekt in natürliches Licht taucht. Die Orgelbauanstalt Hugo Mayer in Neufechingen, die diese Orgel nach dem Vorbild der barocken Orgel gebaut hat, verzichtete bei der Gestaltung des Prospekts bewußt auf so-genannte blinde Pfeifen. Die Pfeifen, zu denen hier das Auge des Kirchenbesuchers wandert, sind allessprechende Pfeifen. Primär sollte nicht der optische Eindruck des Orgelprospektes sein, sondern allein der Klang dieser Königin unter den Instrumenten.

Bild Orgel (in Arbeit)

Die neue Orgel ist auf 27 Register berechnet, aber Überlegungen der Sparsamkeit führten dazu, daß zunächst nur 14 Register eingebaut wurden. Sobald die finanzielle Deckung vorhanden ist, werden dann auch die übrigen Register und ein neuer Spieltisch mit zwei Manualen und einem Pedal - der jetzt aufgestellte Spieltisch enthält neben dem Pedal nur ein Manual – folgen. In den Manualen und im Pedal wird dann je eine vier- bis fünffache Mixtur vorhanden sein. Ebenso werden sowohl Manuale als auch das Pedal je ein Register aus Zungenflöten enthalten, so daß also der barocke Klangcharakter des neuen Instrumentes gewährleistet ist.

Die neue Orgel in der Pfarrkirche von Rußhütte besitzt eine elektrische Traktur, das heißt, die Verbindung zur Impulsübertragung von Tasten und Registerzügen zu den Ventilen der Windladen wird auf elektrischem Wege ausgführt. Auch ist beim Bau der neuen Orgel eine verhältnismässig junge Erfindung der Orgelbaukunst, das sogenannte Kegelladensystem angewandt worden. Es handelt sich dabei um ein elektromagnetisches Kegelventil, das Windführung und Ventilbetätigung vereinigt. 

Die Gemeinde und nicht minder ihr Seelsorger aber sind stolz, daß nun – zehn Jahre nach der Zerstörung – wieder ein neues Instrument ihr Gotteshaus ziert und daß es musiziert zur höheren Ehre Gottes.

 

© Saarbrücker Zeitung, Datum unbekannt

Ein Blick vom Emmersberg

Den Rußhüttern ist die Waldnähe geblieben – Rastpfuhlbebauung rückt heran

Über das Fischbachtal hinweg zu den Wohngebieten des Rastpfuhls und zu den sich daran anschließenden Wäldern geht der Blick von dort, wo die obere Bergstraße in die Straße „Am Emmersberg“ einmündet Doch es wird nicht allzu viel Bürger der Großstadt Saarbrücken geben, die schon einmal auf dieser Höhe im Stadtteil Rußhütte gestanden haben. Die Straßen sind hier eng und das Kopfsteinpflaster läßt schon von sich aus nur ein Fahren im Schritt zu. Ein wenig scheint hier überhaupt die Zeit stillgestanden zu haben, denn die kleinen, eingeschossigen alten Häuschen und die bunte Blumenpracht in den Vorgärten lassen den Spaziergänger die nahe Großstadt vergensen und erwecken in ihm den EIndruck, in einer Kleinstadt zu sein.

So hat auch hier der Großstadtrand einen seiner schönen Punkte, der mit dem Heidenhübel oder dem Waldrand am Homburg schon konkurrieren kann. Obstbäume spenden Schatten, wenn der Spaziergänger ein wenig verweilen und ins Tal hinabblicken möchte. Dort aber wird er sofort wieder vom nüchternen Alltagsleben der Stadt eingefangen. Lange Güterzüge passieren die Fischbachstrecke; Schornsteine stoßen ihre Rauchwolken in die Luft. Nur die Fischbachstraße, an der sich Rußhütte entlangstreckt, bleibt verhältnismäßig wenig befahren. Aber sie steht in keinem guten Ruf bei den Autofahrern, und wer sein Ziel in Fischbach oder Quierschied hat, der vermeidet lieber die zahlreichen Schlaglöcher und wählt den Weg über die Grülingstraße.

Man erzählt sich in Rußhütte, daß der Holzpfahl für das Warnschlld „Schlechte Wegstrecke“ bereits abgefault gewesen sei und durch eine Eisenstange habe ersetzt werden müssen. „Wir haben uns schon beinahe an die schlechte Straße gewöhnt und genießen die Annehmlichkeit, daß sich der Verkehr nach Möglichkelt von Rußhütte fernhält“, erzählt uns ein Anwohner. Doch haben Rußhütter gerade jetzt wieder Hoffnung gefaßt, daß endlich etwas mit ihrer „Hauptstraße“ geschieht, nachdem an der Straße „Am Torhaus“ ein neuer Kanal verlegt wird. Vielleicht hat man mit der neuen Straßendecke bis zm Abschluß der Kanalarbeiten gewartet, sagen sie sich, doch ein Blick in den diesjährigen Etat der Stadt Saarbrücken schraubt alle Hoffnungen zumindest für das laufende Jahr zurück, denn hier sind keine Mittel für einen Straßenausbau in Rußhütte ausgewiesen.

Dafür sind allerdings rund 765 000 DM für den Neubau einer Turnhalle bereitgestellt worden. Auf sie, die den Richtstrauß schon vor einigen Wochen getragen hat, warten nicht nur die Schulkinder, sondern auch die Turner und Sportler, die endlich wieder den Hallenbetrieb aufnehmen müssen. Schließlich hat die Wiege bekannter Turner in Rußhütte gestanden, und auch die Tischtennisspieler hatten sich schon einen Namen als Vereinsmannschaft gemacht. Einen modernen Eindruck macht das Straßenbild in Rußhütte nicht; was vom Kriege zerstört wurde, ist im allgemeinen im alten Stil wieder aufgebaut worden, und oben „Am Emmersberg“ warten sogar noch Ruinen darauf, wieder durch Wohnhäuser ersetzt zu werden. Den heutigen Verkehrsverhältnissen entspre-chend ist allerdings die Zufahrt zur Rußhütte am Ludwigsberg gebaut, aber dann geht es zunächst an den nüchternen und kahlen Fronten von Fabrikgebäuden vorbei. Den Anfang macht der große Baukornplex der Maschinenfabrik Ehrhardt und, Sehmer, es folgen zahlreiche mittlere und kleine Betriebe von der Glühbirnenfabrik bis zum Textilbetrieb.

Bilder von heute (in Arbeit)

Auf der rechten Seite – von der Stadt aus – wird allerdings kurz vor der evangelischen Kirche die Front der Bebauung durchbrochen, und den Blicken öffnet sich eine Gebirgslandschaft von bizarrer Form. Hier wird für die Ziegelei an der Schleifmühle Schieferton gewonnen, der dem Lehm beim Ziegelbrand zugesetzt wird. Da aber zwischen dem Schieferton Sandsteinfelsen liegt, bleibt dieser stehen und erweckt den Eindruck einer Felsenlandschaft im Hochgebirge.

Schwere Schäden trugen im Kriege auch die beiden Kirchen von Rußhütte davon. Im wesentlichen ist der Wiederaufbau abgeschlossen, aber Pfarrer Philipp Müller kennt eigentlich einen solchen Abschluß nicht, denn immer wieder von neuem appelliert er an den Opfersinn seiner Parrkinder; gestern waren es die Mosaikbilder in der hohen Apsis, die neuen Kirchenfenster, die Orgel und der Kreuzgang, die angeschafft werden mußten. Dann fehlte eine neue Kanzel und der Beichtstuhl mußte auch durch einen neuen ersetzt werden.

Von den mit viel Liebe gepflegten Blumenanlagen rings um die Kirche hebt sich allerdings die etwas verwahrloste Kulisse des Bahndammes recht unangenehm ab. Aber die Bundesbahn hat bereits zugesagt, hier Abhilfe zu schaffen.

Rußhütte hat immer ein etwas vom Großstadtzentrum abgesetztes Leben geführt, aber in der Nachkriegszeit ist der Rastpfuhl mit seiner neuen Bebauung an diesen Stadtteil herangerückt. Geblieben aber ist den Rußhüttern ihre Waldnähe,und unmittelbar an die Bebauung schließt sich der Stadtwald an, in dem vor allem das Fischbachbad den Menschen aus der Stadt herauslockt.

 

© Saarbrücker Zeitung, 23.2.1999

Pater und Laien machen Glauben lebendig

Die selbsständige Pfarrei Rußhütte legte 1926 den Grundstein zum neuen Gotteshaus – noch heute herrscht reges Leben in der Pfarrei

Kirchen sind mit ihren Türmen markante Punkte im Stadtbild. Ihr Glockenklang ist uns vertraut und lieb. Und noch immer sind Kirchen Mittelpunkte Im Viertel, Anlaufstelle und Zufluchtsort für Hilfesuchende. Einsame finden hier Trost, Gehetzte ein wenig Ruhe. Mehr als 31 katholische und 17 protestantische Kirchengemeinden gibt es in der Kernstadt Saarbrücken. Eine Anzahl von Ihnen stellen wir in einer Serie vor.

Als im Juli 1771 August Guthmann eine Glashütte errichtete und für seinen Betrieb acht Familien ansiedelte, war dies zugleich die Gründung des Ortes Rußhütte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten in Rußhütte 43 Ehepaare, sieben Witwen, 75 Söhne und 63

Töchter, zusammen also 231 Bewohner. Bis 1880 hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdreifacht.

Die Katholiken des Ortes waren der Mutterpfarrei St. Johann zugeteilt. Doch der Weg in die Stadt war weit und beschwerlich, Kontakte zu St. Johann waren entsprechend deswegen spärlich.

Das kirchliche Leben änderte sich, als1887 Malstatt mit der Rullhütte von der Mutterpfarrei abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Nun wurden die Rußhütter von St. Josef aus seelsorgerisch betreut. Der dortige Pfarrer, der spätere Dechant Metzdorf, kümmerte sich tatkräftig um seine Rußhütter Herde. Ihm wird als größtes Verdienst zugeschrieben, daß es zur Gründung einer eigenen Pfarrei in Rußhütte kam.

Bild Kirche heute (in Arbeit)

Metzdorf gründete auch den Arbeiterverein, den Elisabethen- und einen Jünglingsverein

und sorgte so für ein reges kirchliches Leben im Ort. 1893 übernahm er auch den Vorsitz im Kirchbauverein, dessen Ziel es war, auf der Rußhütte den Bau eines Gotteshauses voranzutreiben. In einem Aufruf wandte Metzdorf sich mit der Bitte um Spenden an die Bevölkerung. Dabei schilderte er die Zustände auf der Rußhütte bewußt in düsteren Farben, um die soziale Notlage aufzuzeigen. 

Der Aufruf lautete: „Freundlicher Leser! Arme katholische Bergleute richten an Dich die herzliche Bitte um eine Beisteuer zu dem Bau einer Kirche in Rußhütte. Landeinwärts vom rechten Ufer der Saar, in einem engen Thale, liegt ein armes Bergmannsdorf: Rußhütte. Schon der Name macht einen düsteren Eindruck; aber die Verhältnisse sind noch viel düsterer und trüber, als der Name ahnen läßt. Und Malstatt kann nichts für Rußhütte leisten.“

Bild Innenraum Kirche (in Arbeit)

Dechant Metzdorf hatte mit der Forstverwaltung Verhandlungen geführt, um das Waldgelände zwischen Torhaus und Rußhütte zu erwerben. Dort sollte die neue Kirche gebaut werden. 1913 wollte man mit den Arbeiten beginnen, doch der plötzliche Tod des Dechanten ließ alle Hoffnungen auf eine rasche Verwirklichung platzen. Dann kam der Krieg. Die Rußhütter ließen sich jedoch trotz der Rückschläge nicht entmutigen. Sie sammelten auch während der Kriegsjahre weiter Geld. Der Saal des Gastwirts Georg Keller diente als Notkirche. Im März 1919 konnte dort der erste Gottesdienst gefeiert werden.

Bereits ein Jahr später erwarb die Pfarrei St. Josef das heutige Kirchen- und Pfarrhaus-Gelände in Rußhütte und schenkte es der Tochtergemeinde St Marien. Damit waren die Voraussetzungen für die Gründung einer eigenen, selbständigen Pfarrei geschaffen. Im August 1922 war es dann soweit, und bereits im März des darauffolgenden Jahres wurde Kaplan Franz Hell als Pfarrer von St. Marien in sein Amt eingeführt Es dauerte dann noch bis zum August 1926, ehe der Grundstein zum Bau der neuen Kirche gelegt wurde.

Dank tatkräftiger Mithilfe von Gemeindemitgliedern konnte schon neun Monate später die neue Pfarrkirche eingesegnet werden. Nun hatten die Rußhütter nach vielerlei Mühen endlich ihr neues Gotteshaus, doch der Zweite Weltkrieg machte alles Aufgebaute wieder zunichte. Zweimal wurde die Kirche von Bomben getroffen.

Bild Pater Lutwin (in Arbeit)

Ein Jahr nach Kriegsende begann der Wiederaufbau von St. Marien. Pastor Philipp Müller unternahm Bittgänge, um das dafür benötigte Geld zu sammeln. Mauern wurden hochgezogen, und bald wölbte sich wieder ein Dach über dem Kirchenschiff.

Heute betreut Franziskaner-Pater Lutwin die Pfarrei. Seit mehr als 13 Jahren ist er Seelsorger auf der Rußhütte. Der Saarbrücker Stadtteil habe seinen eher dörflichen Charakter bewahrt, meint er, das Zusammengehörigkeitsgefühl sei darum auch ausgeprägter als anderswo. Im Pfarrbereich gibt es viele Alteingesessene und ein reges Vereinsleben. Auch innerhalb der Pfarrei sind zahlreiche Aktivitäten zu verzeichnen. Pater Lutwin, ein Saarländer, lobt vor allem die engagierte Arbeit der Frauengemeinschaft, die sehr viel zu einem intensiven kirchlichen Leben in St. Marien beitrage. Das Gotteshaus müsse eigentlich einen neuen Außen-Anstrich erhalten, sagt der Pater, doch dazu fehle der Gemeinde im Augenblick das Geld.

 

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